Ökologische Stadtgüter Leipzig – Gut Mölkau

Chronik

1335   Erste urkundliche Erwähnung der Dörfer beim Amt Leipzig. Im Register
Marchionum werden unter Nr.24 und 25 das Dorf als „Kellners-Nuwendorf“ und das „Gotschalges-Nuwendorf“ aufgeführt.
1432   In einem Lehnsbrief werden die Gebrüder Schultz und deren Vettern genannt, welche im Dorf zu Nuwendorf (Unterdorf) ein Gut erwerben, verbunden mit der Gerichtsbarkeit im Dorf.
1506  

Familie Pflugk zu Frauenhain belehnt Jeronimus Walter Lintacher mit Hof und Gut in Unternawendorf. Die Lintacher waren Leipziger Bürger, meist Ratsleute und Bürgermeister.

1588   Familie Pflugk verlehnt das Gut an Familie Scipio, deren Mitglieder vielfach im Leipziger Rate saßen, sie waren Ratsherren und Baumeister der Stadt.
1726   Die Gebrüder Scipio verkaufen das Lehngut, auch Rittergut genannt, an Dr. Thomas Wagner, Kommissionsrat und Kaufmann zu Leipzig.
1730   Unter der Leitung von Dr. Thomas Wagner und später unter dessen Sohn Dr. Andreas Wagner erfolgt bis 1760 die Umgestaltung des Auenwaldrestes nördlich des Gutes zu einer parkähnlichen Anlage im Stil eines Englischen Gartens.
1765   Andreas Wagner, Kurfürstlicher Sächsischer Geheimer Kammerrat, verkauft das Lehngut an Dr. Rudolf August Schubarth, Kurfürstlicher Sächsischer Hof- und Justizrat zu Leipzig.
1770   Nach dem Tod von Dr. Rudolf August Schubarth fiel das Gut an die Familie Hommel, an seine Tochter Amalie Sophie und deren Mann Dr. Karl Ferdinand Hommel. Ihr Mann stirbt 1781.
1783   Schubarths Witwe stirbt, und das Gut fällt an die Tochter, Amalie Sophie Hommel geb. Schubarth.
1813   Das Herrenhaus des Gutes und die Parkanlagen werden in der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 zu großen Teilen zerstört.
1817   Kammerrat David Anger auf Eytra kauft das Gut. Gut und Herrenhaus werden neu aufgebaut.
1839   Am 16.06. des Jahres stirbt David Anger, nachfolgender Besitzer ist nicht nachweisbar.
1842   Der Besitzer des Gutes, Postmeister Heinrich Robert Moltrecht, beantragt die Zusammenlegung von Grundstücken in der Zweinaundorfer Flur.
1854   Moltrechts Erben verkaufen das Gut an den Leipziger Kaufmann Friedrich Wilhelm Kelbe, Mitinhaber des Leipziger Bank- und Speditionshauses Ottens. Dieser lässt die Mehrzahl der baufällig gewordenen Stallgebäude durch massive Steingebäude ersetzen. Die ruinierten Höfe des Unterdorfes werden aufgekauft und dem Gutshof hinzugefügt.
1869   Friedrich Wilhelm Kelbe lässt das Herrenhaus neu erbauen, es dient bis 1945 als Wohnsitz.
1872   auf der Stelle des alten Herrenhauses wird die „Hirschgruppe“ aufgestellt. Nach Modellen eines unbekannten Meisters aus Elsaß-Lothringen wurden zwischen 1852 und 1890 in den „Harzer Werken“ 15 Plastiken hergestellt.
1895   Wilhelm Kelbe stirbt am 21.01. des Jahres und seine Witwe erbt das Gut.
1906   Wilhelm Kelbes Witwe stirbt am 11.06. Als Erbe ihrer früh verstorbenen Tochter, Elisabeth Seeger geb. Kelbe, wird deren Sohn, Dr. Wilhelm Adolf Seeger-Kelbe, Nachfolger im Besitz des Gutes und des Kirchenpatronats.
1906   fertigt die Firma Bernhard Zachariä ein Turmuhrenwerk für das Gut an.
1939   Dr. Wilhelm Seeger-Kelbe stirbt am 29.08. und sein Sohn Dr. Christian Seeger-Kelbe erbt das Gut.
1945   Auf einem Besuch der SMAD wird der gesamte Besitz entschädigungslos enteignet. Die ehemaligen Besitzer verlassen das Gut. Dr. Christian Seeger-Kelbe wird am 09.10.1945 inhaftiert, am 21.12.1945 gelingt ihm die Flucht aus dem Leipziger Untersuchungsgefängnis.
1946   Das Herrenhaus dient kurze Zeit als Unterkunft für Umsiedler, später als Mädchenheim.
1950   Der Mölkauer Schule wird das Herrenhaus zugesprochen, die es bis 1968 nutzt. Der Gutspark wird unter Naturschutz gestellt, später zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.
1951   Das Herrenhaus wird unter Denkmalsschutz gestellt.
1952   In die alte Scheune, heute Pferdestall, wurden wegen der Spezialisierung auf Viehhaltung Schweinebuchten eingebaut.
1968   Das Herrenhaus wird als Weiterbildungsstätte für Pädagogen genutzt.
1991   Die Treuhandanstalt überträgt das Gut aus der Rechtsträgerschaft des Volksgutes ins Eigentum der Stadt Leipzig.
1993   Im September beginnen 20 Mitarbeiter des ABM Betriebes mit Aufräumungsarbeiten und Bausicherungsmaßnahmen, mit dem Ziel der Entwicklung zum Ökologischen Stadtgut.
1994   Die Stadt Leipzig übergibt das Gut in das Sondervermögen des BfB Stützpunktes.
1995   Die Außenanlagen sowie die vorhandenen Gebäude werden von 300 Mitarbeitern saniert.
1998   Feierliche Eröffnung des Ökologischen Gutes Mölkau am 09.07. durch den damaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, dem Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit Bernhard Jagoda und den sächsischen Wirtschaftsminister Kajo Schommer sowie BfB-Betriebsleiter Mattias von Hermanni.
2002   Privatisierung des Gutes Mölkau, Eigentümer wird die Stadtgut Mölkau GmbH mit Geschäftführerin Carola Moddemann.
   
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